Spurnullbahner

TW 103 und 50

An dieser Stelle werden gleich zwei Triebwagen und Modelle vorgestellt, weil sie eine gemeinsame Geschichte haben. Die Wagen der Serie 36 bis 59 sind durch Umbau aus der Ursprungsserie 101 bis 120 entstanden. Es gab noch weitere Umbauten / Umzeichnungen der Wagennummern, die hier aber keine weitere Nennung erfahren.

Triebwagen 103 (Maximumwagen)

Vorbild

Im Jahre 1899 beschafft die Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft zwanzig Vierachser von der Waggonfabrik Falkenried (Hamburg). Die Wagen erhielten die Nummern 101 bis 120.

Das Besondere war die Bauweise. Die Wagen bekamen jeweils zwei sogenannte Maximum-Traction-Drehgestelle.
Die Konstruktion der Drehgestelle ist so gestaltet, dass 70% des Wagengewichtes für die Adhäsion (Haftkraft zwischen Rad und Schiene) genutzt werden. Dadurch war es möglich, auch steilere Strecken zu befahren. In Magdeburg war es die Strecke in der Johannisbergstraße südlich an der Johanniskirche vorbei (die Straße heißt heute noch so).

Die Perrons waren offen gestaltet, was in der Winterzeit oder bei schlechtem Wetter für das Fahrpersonal nicht so angenehm war.

Die Stromversorgung erfolgte über einen Rollen (Rillen-)stromabnehmer. Einfach gesagt war es eine Stange mit einer Rolle dran.

Auf den beiden Längsbänken im Inneren fanden 28 Personen Platz.

Die elektr. Ausrüstung kam von AEG (Motoren: 2 x 37,5 kW).


Der Triebwagen 113 mit Fahrer und zwei Schaffnerinnen. Quelle: Sammlung E. Straube

Wagen 113 mit Wagenbeschriftung Linie 1 (Neue Neustadt - Breiter Weg - Sudenburg) an der Endstelle Sudenburg (Kroatenweg).

Auf der Linie 1 sind die Maximumwagen auch mit 4-achsigen Beiwagen (ehemals 1886 Herrenkrug-Dampftram; Hersteller: Waggonfabrik P. Herbrand & Cie. in Köln-Ehrenfeld) gefahren.
Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Herbrand_(Waggonfabrik)

Der Umbau der Wagen erfolgte in zwei Losen in Dessau. Die Wagen 101 bis 110 wurden 1925 umgebaut (neue Wagennummern 36 bis 45). Im Jahr 1928 folgten die Wagen 111 bis 120 (neu: 46 bis 55).


Modell TW 103

Der Maximumwagen 103 (ab 1925 nach Umbau Nr. 38) aus der Serie 101 bis 120 ist aktuell in der Bauphase. Er ist fahrbereit. Der Rohbau ist quasi fast fertig. Er wird später einmal zwei Sommerwagen auf der Linie 6 ziehen. 

Das Modell entsteht in Mischbauweise (im Wesentlichen: MDF-Platten gelasert, Resin-Druckteile, Messingprofile und Holzteile für das Dach).

Das Bild oben zeigt den reinen "Rollzustand". Die Drehgestelle sind noch nicht verblendet. Die Kugellager sind gut zu erkennen (Größe 5 x 2 x 2 mm).

Die Drehgestelle wurden an Hand von Fotos der Magdeburger Wagen nachgebaut. Die großen Radsätze (außen) werden jeweils mit einem Motor angetrieben (Schneckengetriebe).

Bauzustand Januar 2026. Antrieb und ESU-Decoder sind eingebaut, so dass er schon selbständig fahren kann.

In den nächsten Tagen erfolgt die Lackierung. Und das ist ein großes Problem. Heute weiß kein Mensch mehr, wie die Wagen damals lackiert waren. Farbfotos gibt es verständlicherweise aus der Zeit um die Jahrundertwende auch nicht. In der verfügbaren Literatur der Magdeburger Straßenbahnfreunde ist auch nichts zu finden. 

11.02.26

Die mehrfarbigen Lackierarbeiten sind ein wenig zeitraubend. Das nicht immer alles beim ersten Mal gelingt, muss man mit einplanen. Habe auch ewig auf die Lieferung der Farbe gewartet ...



Die bereits hergestellten Decals für die Zierstreifen werden später angebracht.

15.02.26

Die drei wichtigen Grundfarben (Elfenbein, Grün und Grau) sind mit Spraylack lackiert. Der Rest ist dann Handarbeit. Zwei Tage Trockenzeit und dann geht es weiter.





16.02.26

Die Detaillackierungen sind nahezu fertig.



Bezüglich der ganz genauen Originallackierung muss ich ehrlicherweise passen. Ich glaube, dass es heute niemanden mehr gibt, der das weiß. Klar wäre es schön, wenn man das wüsste, aber davon geht das Straßenbahnerherz nicht kaputt. Es muss stimmig sein.

17.02.26

Die Decals sind angebracht.





Jetzt hat der Wagen auch schon mal seine Nummer bekommen.

Die drehbaren Türgitter wurden heute bereits lackiert (Einbau ganz zum Schluss).

In den nächsten Tagen wird der Wagenkasten mit Licht ausgestattet. Der untere Teil (Wagenboden und Drehgestelle) ist ja bereits komplett verdrahtet.

Fenster rein. Linienschilder anbringen, Fahrgäste und Fahrer einladen und alles zusammenbauen. Das Ziel ist in Sichtweite.

18.02.26

Die Beschilderung des Modells wurde heute erledigt.



04.03.2026

Heute wurde die Beleuchtung fertiggestellt und die Scheiben eingesetzt. Es fehlt noch ein Fahrer. Das wird schwierig. Einen derartig harten Job will doch heute keiner mehr machen ... 



Die Drehgestelle wurden umlaufend mit einem "Schutzblech" versehen. Im Moment sind die Teile noch grau. Bin noch am überlegen, welche Farbe ich verwende. Die Teile sind an den Drehgestellen lediglich festgeklemmt. Die entspr. vier "Nasen" wurden bereits bei der Konstruktion berücksichtigt. Das ist aus meiner Sicht eine einfache und gute Lösung.

Die "Verglasung" wurde wie folgt umgesetzt. Zuerst habe ich schwarze Rahmen (Resindruck) gedruckt, die von innen eingeklebt wurden. Sie stellen gleichzeitig eine Art Fenstergummi dar. Dann habe ich die Scheiben mit einem schwarzen Rahmen auf transparente Inkjetfolie gedruckt und ausgeschnitten. Diese Fensterscheiben wurden von außen eingeklebt (mit Nagellack fixiert). Das hat wirklich gut geklappt.



Nun haben die beiden Sommerwagen 42 und 43 auch ihren richtigen Triebwagen bekommen. Der Dreiwagenzug verkehrt zwischen Rathaus und Herrenkrug.


Triebwagen 50 (ex. 115)

23.01.26

Vorbild



Der Triebwagen 40 (Bild unten) entstand 1925 als Umbauwagen aus einem Falkenrieder 4-Achser (ex. Maximumwagen Bj. 1899). Von den Wagen existiert heute kein Vorbild mehr. Ein Teil wurde bereits im 2. Weltkrieg vernichtet, ein anderer Teil bis spätestens 1967 verschrottet.




Quelle: Sammlung H. Jungbär

Markant an den Wagen ist die seitliche 5-Fensterfront und die unterschiedliche Fensterhöhe auf Grund des Umbaus in einen geschlossenen Triebwagen. Die Dachaufbauten sind nahezu unverändert.

Die Umbauwagen entstanden wie bereits erwähnt in der Waggonfabrik Dessau. Mit dem Umbau wurden nicht  nur die Perrons geschlossen, sondern auch ein neues 2-achsiges Fahrgestell verwendet. Der 3-Meter-Achsabstand ist beachtlich klein, wenn man bedenkt, dass das Fahrzeug 11,2 m lang war.

Die Anzahl der Sitzplätze und auch die Leistung der Motore blieb unverändert. Neu waren z. B. die seitlichen Blinker und der Scherenstromabnehmer.

Bezüglich der Farbgebung gab es meiner Meinung nach mindestens zwei Varianten. Die ursprüngliche Variante ist mir nicht bekannt (Rot/Grün/Elfenbein?). Die letzte Variante war dann standardmäßig "Elfenbein" bzw. "Creme".


Modell TW 50 (ex. 115)

Der Wagenkasten ist in Mischbauweise entstanden. Hierbei wurden gelaserte MDF-Platten (1,5 mm dick) für die Seitenwände und 3D-Druckteile verwendet.

Bilder aus der Bauphase 2025:



Der Beiwagen 350 der Serie 307 bis 366 im Bild oben befindet sich im gleichen Abarbeitungszustand wie der Triebwagen. Also fahrbereit, aber noch nicht fertig. Er wurde hier nur für Testfahrten angehängt und wird nicht stammmäßig mit TW 50 unterwegs sein.

Das Fahrgestell:

Das Modellfahrgestell wurde als 3D-Druck erstellt. Die Achsen sind kugelgelagert (Kugellager 5 x 2 x 2 mm). Das Bild oben zeigt das Fahrgestell mit der Grundierung, bevor es schwarz lackiert wird.



Als Antrieb dient ein Faulhabermotor, der nur eine Achse antreibt. Das genügt, weil der Triebwagen auch nur einen Beiwagen ziehen soll (4-Achser / Falkenried).




Dank Einbau des Decoders fährt das Modell schon mal einige Runden ohne Fahrer und Passagiere. Stand Sept. 2025.

Es fehlten noch die komplette Beleuchtung, die "Verglasung", das komplette Innenleben und diverse Zurüstteile wie Scheibenwischer, Spiegel, Türgriffe, Handläufe seitlich an den Türen usw.

23.01.26

Erledigung der Restarbeiten und Testfahrt.



Der 2-Wagenzug steht auf Gleis 4 abfahrbereit zur Ausfahrt aus dem Depot.

Dahinter auf Gleis 5 steht der TW 90 der Serie 81 bis 90 (HAWA), der auch neu ist. Dieser Triebwagen wurde mit ESU- LokSound ausgestattet. Einen Bericht gibt es leider dazu noch nicht. Hinter TW 90 fährt der Dessauer Beiwagen 218 (auch neu in 2025 gebaut und noch nicht vorgestellt).

HAWA? Laut Wikipedia: Die Hannoversche Waggonfabrik AG (HAWA) in Hannover-Linden produzierte von 1898 bis 1933 EisenbahnwagenStraßenbahnwagenAutomobileKampfflugzeuge und Landmaschinen.



Triebwagen 50 unterwegs auf der Linie 6 in Richtung Herrenkrug. Oh, das Schild sagt "Hauptbahnhof". Da hat wohl jemand vergessen, das Schild zu drehen.





Auf den Bildern sieht man schon das Modell vom 4-Achser-Beiwagen vom Typ Falkenried, der die Nr. 275 bekommen wird (siehe auch BW 273 - 277).

Elektrische Ausrüstung:

ESU-Lokpilot 5 mit:
- Innenraumbeleuchtung
- Licht vorn/hinten im Wechsel (von Fahrtrichtung abhängig)
- Dach: Zusatzbeleuchtung für Linien- und Richtungsschilder (auch richtungsabhängig)
- Blinklicht links / rechts
- Power-Pack (Stützkondensator)
- hinten elektrische Kupplung (Typ Bemo)

Die ältere Bauform der Dachscheinwerfer stellt eine Besonderheit dar. Die Scheinwerfer leuchten nach vorn und nach hinten (Ausrichtung auf das Richtungsziel-Linienschild).

Die Liniennummer "6" wird zusätzlich durch einen mittig angebrachten Scheinwerfer angestrahlt.

Der Decoder befindet sich unterhalb des Wagenbodens, weil im Wagenkasten selber eigentlich kein Platz vorhanden war. Der Wagenboden inkl. Fahrgestell und Sitzbänke kann komplett nach unten aus dem Wagenkasten herausgezogen werden.

Die Stromverbindung zwischen Wagenboden und Wagenkasten wird über 6 gefederte Stiftkontakte hergestellt (Blau, Weiß, Gelb, Grün und Violett/Hellgrün für die Blinker). Das ist deutlich vorteilhafter, als irgendwelche Stecker zu verwenden.

Die beiden Fahrerstände wurden nach der "Verglasung" von innen und zwar von oben nach unten eingeschoben und werden nur durch schmale seitliche MDF-Streifen gehalten. Sie können also jederzeit wieder ausgebaut werden, falls eine LED ausgetauscht werden muss.

Der Stromabnehmer entstand wie immer in Handarbeit in der eigenen Werkstatt.



An der Endstelle (Wendeschleife) HERRENKRUG steht auf Gleis 2 der Einsatzwagen mit TW 124 und KSW-Beiwagen 244 für den Berufsverkehr zur Verstärkung bereit.

Fertig:



Das fertige Modell TW 50 stellt den Vorbildzustand Anfang bis Mitte der 1930er Jahre dar. Siehe auch: Buch Magdeburger Straßenbahnen von Klaus Günther Seite 24.